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am 23. Februar

Was wir gegen Feinstaub tun müssen

Uschi Lichtenegger, Wolfgang Kamptner, Robert Wallner - Inversionswetter und Dieselabgase machten in den letzten beiden Monaten den WienerInnen das Atmen schwer. Der 2. Bezirk hatte besonders schlechte Werte. Neue Maßnahmen gegen den vor allem für Kinder gefährlichen Feinstaub sind notwendig.

Wien hat wie alle Metropolen ein Problem mit der Luftqualität. Feinstaub und Stickoxide gefährden in den Wintermonaten die Gesundheit. Hauptverursacher ist der Autoverkehr, allerdings spielt auch das Wetter eine Rolle. Wenn sich Inversionswetterlagen häufen, bei denen die Luft über der Stadt quasi „steht“, reichern sich die schädlichen Feinstaubpartikel und Stickoxide an.

Die Stadt Wien hat in den letzten Jahren viele Maßnahmen für eine bessere Luft ergriffen: ein größeres Carsharing-Angebot, die Förderung von E-Mobilität und öffentlichen Verkehrsmitteln und das Parkpickerl. Doch das reichte nicht. Bereits in den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurde bei uns im Bezirk der von der EU verordnete Grenzwert für Feinstaub 18 mal überschritten (siehe Grafik).

Warum die bisherigen Maßnahmen nicht reichen

In Österreich sind im Vergleich zu anderen Ländern besonders viele Dieselfahrzeuge unterwegs - Tendenz steigend - denn Dieselautos werden massiv subventioniert. Dieselfahrzeuge tragen aber am allermeisten zur Feinstaub- und Stickoxidbelastung bei, viel mehr als Fahrzeuge, die mit Benzin betrieben werden. Daher ist die Feinstaubbelastung trotz zahlreicher Maßnahmen nicht zurückgegangen. Die angeblichen Verbesserungen der Diesel-Emissionen bei neuen Dieselautos sind übrigens bei weitem nicht so hoch wie von den Herstellern behauptet - das hat der VW-Abgas-Skandal deutlich gezeigt.

Der zweite Grund für die schlechte Bilanz in diesem Jahr: das Wetter war weniger günstig als in den Vorjahren – ein Faktor, der sich nicht beeinflussen lässt. Und keiner kann vorhersagen, wie der nächste Winter wird.

Wien braucht eine Umweltzone

In Umweltzonen dürfen an Tagen, an denen die Luft stark verschmutzt ist, nur Fahrzeuge fahren, die wenige Schadstoffe ausstoßen. Autos mit hohem Schadstoffausstoß können so aus den besonders belasteten Stadtzentren ferngehalten werden. Mittelfristig findet eine Flottenumstellung hin zu schadstoffärmeren Fahrzeugen statt.

Umgesetzt wird das so: Fahrzeuge bekommen entsprechend ihrer Abgasklasse ein Pickerl. Je nach Pickerl ist dann die Einfahrt in die Umweltzone erlaubt oder nicht.

Evaluierungen der Umweltzonen in vielen Städten haben gezeigt, dass die Luftqualität damit nennenswert verbessert wird. In Berlin hat der Dieselruß zum Beispiel um 24 Prozent abgenommen.

Wie genau die Umweltzonen in Wien aussehen könnten, sollen ExpertInnen gemeinsam mit betroffenen Dienststellen der Stadt Wien in den nächsten Monaten in einer Studie erarbeiten. Bereits im Herbst soll dann auf Basis der Studie ein Beschluss im Wiener Gemeinderat gefällt werden. Die Umsetzung kann dann 2018 erfolgen – mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren, damit die WienerInnen auf umweltfreundlichere Autos umsteigen können.

Wie Feinstaub die Gesundheit bedroht

Feinstaub kann in der Lunge Entzündungsreaktionen und in weiterer Folge Krebs hervorrufen. Ultrafeinen Staubpartikel dringen nicht nur bis zu den Lungenbläschen vor, sondern gelangen auch in den Blutkreislauf und werden in verschiedene Organe verteilt, wo sie entzündliche Veränderungen hervorrufen können. Diese winzigen Entzündungsherde setzen Kettenreaktionen in Gang, welche das Kreislaufsystem und andere Organsysteme beeinträchtigen. Kinder sind besonders betroffen, da ihre Lungen besonders empfindlich sind. Letztlich kann es zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommen. Eine hohe Feinstaubbelastung kann zu Frühgeburten führen sowie bei Kindern zu Atemwegs-Erkrankungen führen.

Feinstaub 2017
Kind
Kinder sind besonders gefährdet.