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am 12. Mai

Die Freie Mitte: mehr als ein Park

Bernhard Seitz - So etwas wie die Freie Mitte gibt es in Wien noch nicht. Sie wird weder ein Landschaftspark (wie der Prater) noch ein Garten (wie der Augarten), sondern ein Stück Freiraum, in dem Natur und Mensch Platz finden und sich frei entfalten können.

Ein großer Freiraum in der Mitte der Stadt 

Die Freie Mitte ist ein Naturraum, obwohl es sich um eine Industriebrache handelt. Die Pflanzen und Tiere, die sich im Laufe der Jahrzehnte auf natürliche Weise hier angesiedelt haben, sollen hier weiterhin ihren Platz haben können. Gleichzeitig soll die Freie Mitte ein Ort für die Menschen sein, in dem sie Erholung und Raum für Bewegung finden. In der Freien Mitte soll Platz zum Ausprobieren sein.  

Die Freie Mitte wird auf einer Fläche, die etwa dreimal so groß wie der Rudolf-Bednar-Park ist, sehr vielen Bedürfnissen von Mensch und Natur entgegenkommen. Eine detaillierte Beschreibung zu allen Angeboten des Parks findet sich unter dem folgenden Link:

https://www.gbstern.at/themen-projekte/freie-mitte/​​

Der Weg zur Freien Mitte  

Die Freie Mitte entstammt nicht dem Genie irgendeiner/s Planungsverantwortlichen; vielmehr ist sie das Produkt eines politischen Prozesses, der sich von 2013 bis 2014, somit über 2 Jahre entfaltet hat.  

Im Bürger*innenbeteiligungsprozess „Nordbahnhof – Ein Grätzel stellt die Weichen“ wurde deutlich: Das Besondere dieses Ortes soll erhalten bleiben! Damals war für die Menschen vor Ort klar, dass diese einzigartige Mischung aus Überbleibseln von Industrie; einer Natur, die sich das Gelände zurückerobert, sowie dem aktiven Zusammenleben der Nachbar*innen erhalten bleiben soll.  

Im städtebaulichen Ideenwettbewerb zum Nordbahnhof gewann 2012 jenes Projekt, das den unkonventionellen Vorschlag enthielt, im brandneuen Stadtteil einen großen Freiraum, eben die Freie Mitte, mitsamt den sichtbaren Resten dessen Geschichte frei zu lassen. Kein anderer Wettbewerbsbeitrag sah dies so konsequent – mit fast 10 Hektar Frei- und Grünraum – vor. 
Es ist auch der Weitsicht und dem Willen einzelner Persönlichkeiten wie Christoph Chorherr und Maria Vassilakou zu verdanken, dass ein Leitbild erstellt wurde, das eine für Wien derart unkonventionelle Verteilung von öffentlichem Raum und Bebauung vorsieht.

https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/nordbahnhof/grundlagen/leitbild-2014/index.html​​​

Mit der Konzeption des Stadtteils mit seiner Freien Mitte im städtebaulichen Leitbild war aber keineswegs fix, dass es die Freie Mitte auch tatsächlich geben würde. Von verschiedenen Seiten wurde versucht, die Idee zu vereiteln. So gab es auch Überlegungen, den Platz für Wohnbau und für einen Erlebnismistplatz zu nutzen und die Freie Mitte zu verkleinern. Das hat die Bevölkerung und das haben auch wir Grüne immer abgelehnt.
 
2016 war außerdem geplant, die Baustraße – zuerst für die grauen Felder, der zuletzt fertiggestellten Bebauungsetappe an der Bruno-Marek-Allee, dann für alle weiteren Baufelder östlich der Bahntrasse – quer durch die Freie Mitte (parallel zur Verlängerung der Leystraße bis zur Innstraße) verlaufen zu lassen. Zudem sollte die Brache für die weitere Baustelleninfrastruktur und Lagerplätze genutzt werden. Das hätte bedeutet, dass die große, zentrale Gstettn über Jahre unzugänglich gemacht worden wäre und sie von 2017 an bis weit in die 2020er hinein abgesperrt und für Baulogistik genutzt worden wäre.Diese Baustelleninfrastruktur hätte den Naturraum Freie Mitte auch nachhaltig zerstört und das Gelände nivelliert.


2016 wurde Uschi Lichtenegger zur Bezirksvorsteherin gewählt und entschied, dass die Baustraße durch die Unterführung Taborstraße zu führen ist und im zentralen Mittelteil der Freien Mitte kein Lagerplatz entstehen darf. Dadurch definierte sie die Freie Mitte als Freiraum. Damit war der Weg frei, die Planung der Freien Mitte zu beginnen.
 
Die Entscheidung Uschi Lichteneggers hat drei weitreichende Konsequenzen:

  • Die Gestaltung der Freien Mitte findet jetzt statt, um Jahre früher, als dies sonst aufgrund der Baustelleninfrastruktur der Fall gewesen wäre.
  • Die Freie Mitte ist in ihrer Größe und als naturnaher Freiraum gesichert.
  • Alle weiteren Begehrlichkeiten, die Fläche für andere Nutzungen heranzuziehen – also zu verbauen –, werden verunmöglicht. 

2018 wurde diese Weichenstellung im gültigen Flächenwidmungsplan rechtlich festgeschrieben. Mit der neuen Widmungskategorie E (Natur- und Erholungsraum) wird eine weitere Bebauung unterbunden. Gleichzeitig legten sich Bezirk und Stadt darauf fest, eine bestandsnahe Planung umzusetzen. D. h., es sollte nicht das gesamte Areal auf ein Höhenniveau gebracht werden, wie dies ursprünglich vereinbart worden war, sondern die Planung sollte dem Bestand mit seiner charakteristischen Topographie folgen.

2019 war ein gestalterisches Jahr für die Freie Mitte:​ Unter der Federführung der MA 42 arbeiteten agence ter und Thomas Proksch mit regelmäßiger Zurückführung an die Bürger*innen und an die Fachdienststellen sowie an den Bezirk und den Qualitätssicherungsbeirat.​  

Wir sehen jetzt einen detaillierten Zwischenstand der Planung. Nun sind wieder die im Nordbahnviertel Wohnenden und die Nachbarschaft gefragt, sich einzubringen und die bisherigen Planungen zu prüfen.

Rückmeldungen an die Bezirksvorstehung
(E-Mail: post@bv02.wien.gv.at, Tel: (+43 1) 4000 02114) oder an die Gebietsbetreuung (E-Mail: mitte@gbstern.at, Tel: (+43 1) 214 39 04) sind ausdrücklich erwünscht!​

Auf die fertige Freie Mitte werden wir noch ein paar Jahre warten müssen. Ab 1.1.2021 geht die Freie Mitte von der ÖBB an die Stadt Wien und die Arbeit kann beginnen. Aber: Die Weichen sind gestellt und die Qualitäten des Freiraums sind gesichert.​