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am 29. Dezember 2019

Die Bruno-Marek-Allee – die Hauptstraße eines neuen Stadtviertels

Bernhard Seitz - Die Bruno-Marek-Allee (BMA) wird die Hauptstraße des Nordbahnviertels. Langsam erwacht sie zum Leben.

Ein weiter Blick über eine freie Fläche – das ist von der Bruno-Marek-Allee, benannt nach dem ehemaligen Wiener Bürgermeister, noch möglich, Sonnenuntergänge vom Feinsten inklusive.
Auf der anderen Seite, dort, wo schon die Häuser stehen, deren Bewohner*innen den Fernblick genießen, sperren nach und nach Lokale und Geschäfte auf. Hier kann man wählen zwischen österreichisch-orientalischer Fusionsküche, türkischen Süßigkeiten, Pan-Asia-Cuisine oder Gebäck direkt aus dem Holzofen. Unterschiedlichste Services, die ein Stadtviertel so braucht, werden angeboten: Die Post hat aufgemacht, ein Radgeschäft, eine Trafik, ein Reformhaus und weitere Geschäfte beleben bereits jetzt die Straße. Und es wird sogar eine rumänisch-orthodoxe Kirche geben!
Das ist aber erst der Anfang.

Innovatives städtebauliches Leitbild

Die besondere Innovation des städtebaulichen Leitbilds für den Nordbahnhof von 2014​ ist, dass die Bebauung am Rand des Gebiets zusammengeschoben wird und damit sehr viel Platz für Frei- und Grünraum bleibt. So wird es möglich, dass neun bis zehn Hektar Gstettn mitten in der Stadt bestehen bleiben können – die sogenannte Freie Mitte.
Aus dem Quartiersdesign ergibt sich auch, dass nur sehr wenige Straßen zur Erschließung gebaut werden müssen, was auch eine große Kostenersparnis bedeutet.

Quelle: Stadt Wien, www.vlst.at

Ein weiterer Eckpfeiler des Leitbildes ist ein (für den Neubau) hoher, verpflichtender Gewerbeanteil. Damit wurde klargestellt, dass die BMA eine Straße werden wird, in der die Bewohner*innen verweilen und einkaufen können und die auch viele Arbeitsplätze schafft.​


​​Eine Allee für alle

Als Uschi Lichtenegger Ende 2016 als Bezirksvorsteherin übernahm und wir Grüne begannen, die Verantwortung für die Entwicklung des Bezirks zu übernehmen, stellten wir die Planung der BMA auf neue Beine.
Fix war, dass mit der Verlängerung der Linie O (bis zum Bildungscampus Christine-Nöstlinger und dem Wasserturm) eine Straßenbahn die BMA prägen würde.

Die Straßenbahnlinie O wird bis zum Wasserturm führen.

Aber die Planungen sahen eine konventionelle Straße vor: ein eigener exklusiv für die Straßenbahn vorgesehener Gleiskörper, ein separater Autostreifen sowie ein Radweg pro Fahrtrichtung und Parkstreifen mit ein paar Bäumen. So wäre es einerseits zu einer funktionalen Trennung zwischen Verkehr und Bebauung gekommen, andererseits einer starken Trennung zwischen Bim, Auto, Rad, Fußgänger*innen. Bäume hätten in diesem Konzept nur eine untergeordnete Rolle gespielt – sie hätten dort stehen dürfen, wo sonst nichts geplant war.
 
Wir sagten Stopp: Der Bau einer Straße wirkt für Jahrzehnte und wir übernahmen die Verantwortung dafür. Wir wollten die Möglichkeit nutzen, öffentlichen Raum so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Mit der BMA möchten wir eine neue Art Straße verwirklichen. In unserer BMA fahren Straßenbahn und Autos auf derselben Spur, das Radeln schließt daran an. Auf diese Weise entsteht viel Platz für Bäume und andere Möglichkeiten, den öffentlichen Raum zu nutzen, etwa durch Schanigärten, Bänke, Sonnendecks u. a., und auf den breiten Gehsteigen kann auch einfach mal nur gespielt werden.
Die geänderten Pläne verringern auch die Barrierewirkung: Die Randsteine sind nur ein paar Zentimeter hoch, die Fahrbahnbreite ist viel schmäler als im konventionellen Vorschlag. Diese Maßnahmen erlauben auch Älteren, mobilitätseingeschränkten Menschen und Kindern die Straße an jeder Stelle bequem zu queren.

Planung für vielfältige Nutzungen, Quelle: www.yewo.at

Eine echte Allee ist voller Bäume

Ein weiterer großer Wurf in der BMA ist, dass sehr viele Bäume gepflanzt werden. 62 Bäume auf etwa einem halben Kilometer Länge ergeben eine echte Allee. Dabei sind die bereits gepflanzten Bäume auf dem schon bestehenden viertel Kilometer BMA hier nicht eingerechnet. Diese Zahl bedeutet eine Vervielfachung der Bäume gegenüber der ursprünglich geplanten Straße und war uns Grünen ein sehr großes Anliegen. Bäume sind in Zeiten des Klimawandels eine unverzichtbare Investition in die Lebensqualität in der Stadt. Im Nordbahnviertel bilden sie gemeinsam mit der Freien Mitte eine große natürliche Klimaanlage mitten im bebauten Gebiet. Dass wir das umsetzen können – auch darauf sind wir stolz!

Die Bäume sind auch nicht in Reih und Glied aufgefädelt, sondern werden gemäß den Planungen des Landschaftsplanungsbüros ungleichmäßig verteilt. Dass Landschaftsplaner*innen bei der Planung der Straße mitarbeiten und die Verteilung von Nutzungen, Stadtmöbeln und Bepflanzung vorgeben, ist ein Qualitätsmerkmal, das die Bewohner*innen und Gäste in Zukunft deutlich spüren werden.

Die ersten 14 der insgesamt 62 Bäume in der BMA wurden schon gepflanzt.

Wir haben es auch durchgesetzt, dass die Straßenbahn Am Tabor ein Rasengleis​ bekommt.
 

Das Warten lohnt sich

Bis die BMA voll ausgebaut wird, dauert es noch. Im ersten Halbjahr 2020 hat der Straßenbahnbau Priorität. Leider muss in dieser Übergangszeit der Lieferverkehr provisorisch über den zukünftigen Gehsteig geführt werden, da die Bauträger schneller waren, als ursprünglich vorgesehen.

Ab Herbst 2020 wird die BMA als Schienenstraße durch die Bim und den Individualverkehr befahrbar sein.

Die Baustellenstraße für die Bebauung der Baufelder jenseits der BMA wird noch bis etwa Ende 2022 benötigt, d. h., die BMA wird erst danach fertiggestellt werden.

Wenn dann die Hauptstraße des Nordbahnviertels auch ihre zweite Seite bekommt, wird man so richtig sehen und erleben, was für eine besondere Allee die Hauptstraße des Nordbahnviertels geworden ist.