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am 9. März

Das war das Fest für Tina Leisch

Uschi Lichtenegger - Am internationalen Frauentag haben wir die Frau des Jahres prämiert: Tina Leisch. Hier die besten Fotos vom wunderschönen Abend.

Schön war`s! Tina Leisch sprach mit ihren langjährigen Mitstreiterinnen Sandra Selimovic und Natalie Ananda Assmann über Liebe, Sex, Drogen, Ökonomie, Politik und andere Genderfragen. B​ezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger begrüßte alle Gäste und überreichte den Preis. Die Grüne Nationalratsabgeordnete und Frauensprecherin Berivan Aslan hielt eine sehr persönliche Rede. ​​Im Anschluß gab es Musik von Tini Trampler und die Playbackdolls.

Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
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Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
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Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017
Fest Frau des Jahres 2017

Tina Leisch ist Frau des jahres 2017


Leisch bezeichnet sich als „Film-, Text- und Theaterarbeiterin“. Bekannt geworden ist sie mit ihren Theaterarbeiten in gesellschaftlichen Konfliktzonen, ihren politischen Dokumentarfilmen und vor allem als unermüdlich protestierende, sich empörende, polemisierende und publizistische Pfeile nach verschiedensten Seiten verschießende politische Aktivistin.

TINA LEISCH WERKSCHAU

Die Schweigende Mehrheit

Als die Innenministerin 2015 im Lager Traiskirchen eine humanitäre Katastrophe inszenierte, gründete Leisch zusammen den TheaterkollegInnen Natalie Assmann und Bernhard Dechant „Die schweigende Mehrheit“, eine politisch-künstlerische Interventionstruppe, die seither politischen Protest, künstlerischen Aktivismus und Verantwortung für die Integration der fünfzig mitwirkenden Neuankömmlinge verbindet. Ihr Theaterstück „Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene“, im August 2015 mit gerade in Traiskirchen angekommenen Flüchtlingen aus Syrien, Irak und Afghanistan entwickelt, wurde seither auf vielen Bühnen der Stadt gespielt und im April 2016 von Neofaschisten angegriffen: Vorbildliche Integrationsarbeit qua fetzengeiler Politperformance: Das ärgert die Nazis.

Stuwerkomitee und Lustwerkstatt

Im Stuwerviertel, wo Leisch seit 2003 wohnt, gründete sie zusammen mit der verstorbenen Architektin Claudia Dietl, dem Philosophen Ljubomir Bratic, den Künstlerinnen Tanja Boukal und Carla Müller, dem Stadtforscher Roman Seidl, dem Soziologen Hans Christian Vogt und vielen andren das „Stuwerkomitee“, eine Stadtviertelinitiative, die in den 2000er Jahren alljährlich und leider vergeblich mit einem Strassenfest die Umbenennung der Arnezhoferstraße in Selma-Steinmetz-Straße forderte. (Arnezhofer war ein antisemitischer Hetzprediger, der im 17.Jahrhundert zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung aufgerufen hatte. Selma Steinmetz war eine Widerstandskämpferin, die als erste in Österreich die Verfolgung der Roma und Sinti publizistisch aufgearbeitet hat.)

Das „Stuwerkomitee“ solidarisiert sich auch seit Jahren mit den Sexarbeiterinnen im Grätzel. Die Kampagne „Lieber Rotlicht statt Blaulicht“ skandalisiert die polizeiliche Schikanierung von Sexarbeiterinnen und lädt interessierte AnwohnerInnen immer wieder ein zu Gesprächen mit Sexarbeiterinnen und AktivistInnen. Die „Lustwerkstatt“ schuf eine Website, auf der Texte, Interviews und Onlinechats die Auseinandersetzung um Feminismus, Menschenrechte und Sexarbeit vertiefen, und die vor allem dank Herbert Gnauers Radiosendungen sehr unterschiedliche Perspektiven auf die und aus der Branche eröffnet.

Theaterarbeiten

Leischs Theaterarbeit begann in den Neunziger Jahren im damals besetzten Ernst-Kirchweger-Haus, wo das „Volxtheater Favoriten“ nicht nur die Dreigroschenoper mit echtem Pferd und die Penthesilea als „Hundsoper frei nach Kleist“ auf die Bühne brachte, sondern auch die ganze Stadt mit politischen Inszenierungen bespielte: Bei der „Durchschwimmung des Donaukanals“ schwammen „Flüchtlinge“ aus dem 2. Bezirk durch das Dreckswasser, um in der Inneren Stadt Asyl zu finden. „Sterben am Ring“ ließ eine imaginäre Bombe in der Menschenmenge explodieren, während 1996 die Draken am Nationalfeiertag über den Ring flogen.

Seither widmet Leisch sich der Theaterarbeit, die an politischen und sozialen Brennpunkten den künstlerischen Finger in die politische Wunde legt und mit den Mitteln der Kunst das politische Begehren nach einer besseren Welt anheizt. Im Männerwohnheim Meldemannstraße, im psychiatrischen Krankenhaus am Steinhof und im Kärntner Partisanengebiet entwickelte sie Theaterstücke zur NS-Geschichte. In Schulen und Gefängnissen benützte sie zusammen mit der Autorin Alma Hadzibeganovic und der Coregisseurin Sandra Selimovic Theater, um die Machtmechanismen in den Institutionen sichtbar zu machen und nach Sinn und Wirkung zu befragen.

Dokumentarfilme

Mit den CineastenkollegInnen Tom Waibel, Peter Grabher, Elisabeth Streit und andren betreibt Leisch seit den 90ziger Jahren den Verein kinoki, der „mit den Mitteln des Kinos im Herzen des Wunsches den Ort des Klassenkampfes zu markieren sucht“ und einerseits

Filmvorführungen und Debatten über Strategien des politischen Dokumentarfilmes organisiert, andererseits Leischs Filme produziert.

„Gangster Girls“ (Kamera: Gerald Kerkletz, Schnitt: Karina Ressler, Produktion: Ursula Wolschlager) ist ein unterhaltsames Portrait junger Insassinnen des Frauengefängnisses Schwarzau, das unbequeme Fragen nach Sinn und Zweck von Gefängnisstrafen stellt.

Der mit Erich Hackl zusammen entwickelte Dokumentarfilm über den bedeutendsten Dichter El Salvadors „Roque Dalton, erschießen wir die Nacht!“ schaut zu, wie die so notwendige, so emphatisch begrüßte, so richtige Weltrevolution zum Monster wird, das seine klügsten Väter frißt.

In der zusammen mit Ali Can konzipierten Doku „Nur die Toten kehren heim“ verdichten sich zwanzig Jahre Solidarität mit der kurdischen Befreiungsbewegung zu einem Propagandafilm für die kurdischen Kämpferinnen. „Tanz und gib ihm!“ (Kamera: Peter Roehsler, Schnitt: Petra Zöpnek) beobachtet Burschen dabei, wie sie Männer werden und welche Vorstellungen von Männlichkeiten ihnen dabei begegnen und was sie damit anfange