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am 29. Dezember 2020

Wir trauern um Robert Wallner!

Uschi Lichtenegger - Unser Freund und Bezirksrat Robert ist nicht mehr. Unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei der Familie, wir wünschen ihr viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.

​​Robert, geb. 6. 9. 1948 in Wien wuchs im 1. Bezirk auf und besuchte die VS Börsegasse (Abschlussjahrgang 1959). Er besuchte dann die HS Renngasse und schloss die HS 1963 In der Krim ab. Er erlernte den Beruf des Elektromechanikers und wohnte im Franz-Domes-Lehrlingsheim​ der Wiener und NÖ AK in der Argentinierstraße. Bis 1966 Besuch der Berufsschule im 6. in der Mollardgasse.

Nach einem kurzen Zwischenspiel bei Landis & Gyr wechselte Robert 1972  zur Firma Cornelius. Als technischer Leiter war er für unzählige Schankanlagen Österreichs und Europas verantwortlich. Er erzählte gerne von seinen beruflichen Erfolgen und brachte den einen oder Input daraus auch in seine spätere Tätigkeit als Bezirksrat ein. Bis zu seiner krankheitsbedingten Frühpension 2004 blieb Robert in der Firma Cornelius.

Bis November 1987 kannten Roberts Tage keine Grenzen, weder beruflich noch privat, er kostete das Leben aus, welches ihm am 24.11.1987 im Krankenhaus Floridsdorf nach einem Herzinfarkt nochmals geschenkt wurde. Dieser 2. Geburtstag, den er jährlich feierte, wurde nun sein Lebensmotto: Man lebt nur zweimal.

Privat fand Robert sein Glück mit Renate. Fast 5 Jahrzehnte waren sie verheiratet. Ihre Heimat wurde die Leopoldstadt, zuerst im Karmeliterviertel in der Großen Sperlgasse, später aber doch schon Jahrzehnte im Volkertviertel. Beider großer Stolz sind Sohn Roman und die Enkelkinder Dario und Mara. Alle drei wurden Teil der Radfahrleidenschaft Roberts. Roman wurde auch aktiver Radsportler, Robert unterstütze hier auch mit Video- und Fotodokumentationen den österreichischen Radsportverband. Oft und fröhlich erzählte Robert vom Abholen seiner Enkelkinder von Kindergarten und Schule.

Robert machte kein Hehl aus seiner Verehrung für Udo Jürgens. Udo Jürgens gehörte zu seinem Leben, gerne erzählte er von Konzerten und Aufnahmen, eine Leidenschaft von seiner Jugend bis zu seinem Tod.

Glücklich waren Renate und Robert auch durch ein kleines Schrebergartenhäuschen in der Leopoldau in „Frohes Schaffen“. Es war besonders Renates Domizil, konnte sie hier im Garten werken und sie luden gerne Freunde zu Jahresfesten ein. Später fand Roberts Wissen als Kleingärtner willkommene Anwendung als Vorsitzender der Kleingartenkommission der Leopoldstadt. Immerhin gab es dort 10 Vereine zu betreuen. 

Roberts Gang in die Frühpension 2004 brachte vorerst seinem Wohngrätzl großen Nutzen. Robert war aktiv im Arbeitskreis Öffentlicher Raum und Heinestraße des Grätzelmanagements Volkert- und Alliiertenviertel. Seine Kenntnis als Fußgänger, Rad- und als Autofahrer brachte er in den Gremien zur Verkehrsberuhigung des Volkert- und Alliiertenviertels ein. 2008 wurde Tempo 30 eingeführt und Einbahnen umgedreht oder neu geschaffen: Eine Forderung von Robert wurde erst im Jahr 2020 unter einer grünen Bezirksvorstehung erfüllt, Tempo 30 in der Mühlfeldgasse und in der Heinestraße. Im Grätzl-Blattl des Volkert- und Alliiertenviertels schrieb er 2008: Ich möchte bemerken, dass die Mühlfeldgasse mit bis zu 15.000 Fahrzeugen eine nicht mehr verkraftbare Belastung für die BewohnerInnen darstellt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt ca. 50 km/h und das bei ausgeleierten Betonfeldern auf den Schienen und dem desolaten Kopfsteinpflaster in der Heinestraße.

Renate und Robert Wallner waren tragende Säulen im Verein Grätzl aktiv. Keine Grätzlaktivität, kein Grätzlfest der Kulturen, kein Grätzlball, kein noch so kleines Fest fand ohne Zutun der beiden statt. Robert dokumentierte alle Aktivitäten und die Videos wurden professionell von ihm geschnitten und mit Text versehen im Kulturmittwoch des Vereins regelmäßig gezeigt. Corona setzte diesem Zusammensein im Grätzl 2020 vorerst einen einschneidenden Schnitt. 

Ersten Kontakt zu den Grünen Leopoldstadt fand Robert im Wahlkampf zur Gemeinde- und Bezirksratswahl 2005. Interessiert besuchte er die Wahlstände der Parteien und fragte gezielt vor allem zu den Umweltprogrammen und den Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. 2006 war er Teil unseres grünen Kampfes gegen die Rodung der Platanen rund ums Ernst Happel Stadion und vehement setzte er sich gegen die Schließung der Straßenbahnlinie 21 ein. Auf der Facebookseite 21er und die Straßenbahnen der Leopoldstadt dokumentierte er auch hier die Einstellung und auch, wie es mit den Straßenbahnen in der Leopoldstadt weiterging.

Auch in seinem Grätzl Volkert- und Alliiertenviertel kümmerte er sich um die Vernetzung, wie er auch einen youtube-channel gründete und mit seinen Videos und Berichten von den Medien füllte.

2010 baten wir Robert Wallner, für die Grünen bei der Bezirksratswahl 2010 zu kandidieren. Robert nahm gerne an, wurde Bezirksrat und war für uns in der Verkehrskommission und im Umweltausschuss Mitglied. Engagiert setzte er sich für den Erhalt und Ausbau der Grünräume und für eine Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel und für den Ausbau der Radinfrastruktur ein. Mit seinem E-Fahrrad erkundete er jedes Eckchen der Leopoldstadt und wurde bei uns Grünen unersetzlich. Neben der Betreuung des Grünen Telefons war er zu jeder Jahreszeit an den Hotspots des Bezirks zu finden und war wichtige Ansprechperson nach innen wie nach außen. 

Ein wichtiger Punkt war ihm auch der Nichtraucherschutz wie der Kampf gegen Feinstaubbelastung und Klimawandel. Er, der selber lange Jahre Raubbau an seinem Körper betrieben hatte und als Folge mit COPD gehandicapt war, wusste um die Schäden durch Rauchen und Luftverschmutzung. Robert zwang niemanden seine Meinung auf, brachte aber durch Beispiele sehr bild- und glaubhaft seine Zuhörer zum Nach- und Umdenken. 

In den letzten 4 Jahren hat er mich als Bezirksvorsteherin bei unzähligen Ortsverhandlungen – es wurden über 1.000 - vertreten und war Vorsitzender des Umweltausschusses und der Kleingartenkommission. Der Erhalt des Naturschutzgebiets des Grünen Praters, wie z.B. die Eindämmung der Wiener Wiesn auf der Kaiserwiese, lag in seinem Focus. Wie die Grünen Leopoldstadt in ihrer Bekanntgabe des Ablebens von Robert schrieben, er „kannte jeden Fleck des Bezirks, jedes Verkehrszeichen, jeden Radbügel und war eine nicht wegzudenkende Säule der Grünen in der Leopoldstadt. Sein Tod hinterlässt ein tiefes Loch und eine große Leere.“

Renate und Robert Wallner lernte ich bei den Arbeitskreisen des Grätzelmanagements kennen, vertraut wurden mir beide bei einer Vernissage der Künstlerin und Nachbarin von ihnen, Maria Stransky. Es entwickelte sich eine über eine Zusammenarbeit im Grätzl und bei den Grünen hinausgehende Freundschaft. Robert übernahm von mir Aufgaben im Grätzl, die ich aufgrund meiner politischen Funktion bzw. aus Zeitressourcen abgeben musste. Robert sagte bei jedem Anliegen zu. Wenn ich ihn anrief und eine Bitte äußerte, war sie auch schon erledigt. Ich kenne keinen Menschen, der so uneigennützig und gewissenhaft wie Robert war. Und er war einer meiner wichtigsten Ratgeber.
Unsere Enkelkinder waren unser Herzensthema. Wenn es den Kindern gut ging, dann ging es auch uns gut. Lieber Robert, ich werde diesen Austausch, unsere Freundschaft, wie auch deinen Rat vermissen! 

Abschließend möchte ich Robert Wallner zu Wort kommen lassen, sein Vermächtnis.
(Robert Wallner, Kandidatur zum Bezirksrat der Grünen Leopoldstadt, April 2010)​​

„Alle Menschen haben das Recht auf eine gesündere Umwelt- und Verkehrspolitik, es gilt den motorisierten Verkehr zu verringern und es braucht mehr Straßenbahnen für die Leopoldstadt. Der öffentliche Raum ist für alle Menschen da, es muss den FußgängerInnen und RadfahrerInnen mehr Raum gegeben werden.“

Mit vollem Einsatz hat sich Robert für den Erhalt der Straßenbahnlinie 21 eingesetzt.